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20.01.2015 | VSWG zeigt Solidarität für Frauengenossenschaft in El Salvador

Fast täglich eine Million Euro in 2014 investiert – VSWG zieht positives Jahresresümee 2014 und stellt sich den Herausforderungen 2015

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Verbandsdirektor Dr. Axel Viehweger überreichte den Spendenscheck an Werner Wilkens, Geschäftsführer der DESWOS
Foto: VSWG Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e.V.

Dresden, 20. Januar 2015. Die Wohnungsgenossenschaften haben im Geschäftsjahr 2014 als Partner der sächsischen Wirtschaft an Bedeutung hinzu gewonnen und wieder einen wesentlichen Beitrag für gutes, bezahlbares und sicheres Wohnen für über eine Million Menschen im Freistaat Sachsen geleistet.

„Nach vorläufigen Schätzungen wurden im vergangenen Jahr mit insgesamt 335 Mio. Euro – fast täglich eine Million Euro – investiert. Diese Summe fiel noch einmal 30 Mio. Euro höher aus als 2013. Die höheren Investitionen resultieren ausschließlich aus einer stark ansteigenden Neubautätigkeit, die erfreulicherweise nicht nur in Dresden, Chemnitz, Leipzig stattfindet, sondern auch abseits der Großstädte wie beispielsweise in Dippoldiswalde, Pirna, Hoyerswerda oder Rochlitz“, erklärte Dr. Axel Viehweger, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossen-schaften e. V. (VSWG). So wurden 2014 mit Investitionen von ca. 70 Mio. Euro schätzungsweise 350 Wohnungen neu gebaut bzw. angefangen zu bauen, die in 2015 fertig gestellt werden.

„Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor Wohnraum, der nicht mehr benötigt wird, so dass dieser durch Abriss oder teilweisen Rückbau vom Markt genommen wird. Dabei steht es auch nicht im Widerspruch, dass an einer Stelle abgerissen und an anderer stark nachgefragten Lage im gleichen Ort neu gebaut wird“, so der VSWG-Vorstand.

In 2014 sind ca. 700 Wohnungen vom Markt genommen worden, wobei ein Trend zum notwendigen Teilrückbau zu erkennen ist, da der Leerstand sich nicht mehr in einzelnen Gebäuden, sondern über den gesamten Wohnungsbestand und hauptsächlich in den oberen Etagen verteilt. Dadurch bedingt wurde nach vielen Jahren kontinuierlicher Verminderung des Leerstandes ein Einpegeln der Leerstandsquote bei 7,9 Prozent verzeichnet.

Bis auf wenige Ausnahmen wurde der Rückbau durch öffentliche Mittel vom Bund mit dem Programm „Stadtumbau Ost“ und vom Land im Rahmen des Programms „Modellprojekte im Stadtumbau“ unterstützt. Die Förderlandschaft wird durch die förderale Struktur in Deutschland und den steigenden Einfluss Europas durch zahlreiche Akteure immer schwieriger zu durchschauen. Oft werden Projekte ohne Förderung umgesetzt, da das Wissen über Zuschüsse oder vergünstigte Darlehen fehlt. Aus diesem Grund veröffentlichte der VSWG 2014 erstmals einen Förderlotsen mit einem schnellen und strukturierten Zugang zu zahlungswirksamen Förderungen in Form von zinsgünstigen Darlehen oder direkten Zuschüssen, der kontinuierlich aktualisiert wird.

Zum Ausklang des Jahres 2014 wurde ein aufwendiger Bewerbungsprozess und Einsatz seitens des VSWG belohnt, als das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst mitteilte, dass die Genossenschaftsidee als länderübergreifender Antrag von Sachsen und Rheinland-Pfalz als erster von bundesweit 27 Beiträgen in die internationale „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes“ bei der UNESCO nominiert wurde. Deutschland wird diese erste Nominierung im März 2015 bei der UNESCO einreichen, die dann bis 2016 entscheidet, was zum Immateriellen Weltkulturerbe gehört.

Dr. Axel Viehweger überreichte heute nach einem Jahr Sammeln einen Spendenscheck in Höhe von 13.000 Euro an Werner Wilkens, Geschäftsführer der DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen, für die Frauengenossenschaft ACAMS in El Salvador. Damit kann ein vor zwei Jahren begonnenes genossenschaftliches Hausbauprojekt in Jutiapa, im Norden El Salvadors, fertig gestellt werden.

In der bergigen Kleinstadt Jutiapa leben die meisten Familien in baufälligen Hütten mit dünnen Lehmwänden, meist ohne hygienische Toiletten, ohne Strom und fließendes Wasser. Grund dafür ist ihre große Armut. Sicher zu wohnen ist aber für sie eine Frage des Überlebens, denn sie erlebten im Jahr 2001 bereits ein schweres Erdbeben. Im Jahr 2012 begann die Frauengenossenschaft Asociación Cooperativa de Ahorro y Crédito Mujeres Solidarias (ACAMS) in Jutiapa ein Hausbauprojekt für ihre Mitglieder. Inzwischen ist eine kleine Siedlung entstanden. Die Familien bauten in einem „Hilfe zur Selbsthilfe“-Projekt der DESWOS 60 katastrophenresis-tente Häuser mit Toiletten und Waschräumen. Der VSWG hat den Bau der Häuser seit Beginn des Projekts gefördert und im Jahr 2012 bereits 15.000 Euro an Spendengelder sächsischer Wohnungsgenossenschaften übergeben.

„Ich fühle mich sehr bestärkt in meiner Auffassung, dass genossenschaftliche Solidarität ein Wert ist, der in internationalen Beziehungen eine viel größere Rolle spielen müsste. Neben der finanziellen Unterstützung sind es die geteilten Werte und die Weltanschauung, die ein Projekt tragen. Für ihre Hilfe und ihr deutliches Signal bin ich den sächsischen Wohnungsgenossen-schaften sehr dankbar“, erklärte Werner Wilkens, der den Scheck stellvertretend für ACAMS freudig entgegen nahm.

Zu den Herausforderungen 2015 zählen neben einem steigenden Flüchtlingsstrom die Bewältigung des Klimawandels mit der Umsetzung der Energiewende, der demografische Wandel mit einer schrumpfenden und immer älter werdenden Bevölkerung sowie die altersgerechte Anpassung des Wohnraumes mit neuen Wohnformen für Menschen mit Pflegebedürftigkeit und Behinderungen, um nach dem Grundsatz „Ambulant vor Stationär“ ein Leben so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

„Beim Thema Wohnen kulminiert sehr vieles. Die Wohnung soll das Klima retten, Gesundheitsstandort sein, Pflegeheime ersetzen und dies alles bei möglichst sinkenden Mieten. Um diese komplexe Problematik zu lösen, ist eine stärkere Vernetzung der einzelnen Ressorts nötig, um ressortübergreifend Kompromisse zu finden, die nicht zwingend zusätzliches Geld erfordern, sondern lediglich ein Wollen. Nur mit Ehrlichkeit im Umgang, dezentralen Lösungen im ländlichen Raum sowie der ganzheitlichen Betrachtung von Quartieren können die Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden, denn die Wohnungswirtschaft ist eine Branche, die für 10 bis 15 Jahre im Voraus plant und immobil ist“, fordert Dr. Axel Viehweger.

Die im VSWG organisierten Wohnungsgenossenschaften sind ein bedeutender Faktor im sächsischen Wohnungsmarkt. Sie bewirtschaften mit insgesamt 280.330 Wohneinheiten 20,8 Prozent des gesamten Mietwohnungsbestandes im Freistaat Sachsen und bieten damit rund einer halben Million Menschen ein zukunftssicheres Zuhause. Als Unternehmen erwirtschaften sie mit den jährlichen Umsatzerlösen in Höhe von 1,13 Milliarden Euro einen Anteil von 1,2 Prozent am sächsischen Bruttoinlandsprodukt und sind für rund 2.500 Mitarbeiter und 74 Auszubildende ein verlässlicher Arbeitgeber und sichern gleichzeitig Aufträge sowie Arbeitsplätze in vielen weiteren der Wohnungswirtschaft flankierenden Branchen. Im VSWG sind derzeit 220 Wohnungsgenossen-schaften, 2 Gesellschaften und 27 Gastmitglieder vereint.

ACAMS wurde 2001 nach einem schweren Erdbeben von Landfrauen in El Salvador gegründet. ACAMS wollte Frauen gezielt fördern und damit das Leben der ganzen Familie verbessern. Die Frauen liehen sich gemeinsam Geld von einer Bank, das sie u. a. für Obst- und Gemüseanbau einsetzten. Daraus entstand eine Genossenschaft, die Kredite an Frauen vergibt und ihnen zeigt, wie sie das Geld zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage einsetzen können.

Die DESWOS ist ein privater gemeinnütziger Verein. Auftrag der DESWOS ist es, Wohnungsnot und Armut in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Dies geschieht durch Hilfe zur Selbsthilfe beim Bau von Wohnraum für Not leidende Familien und bei der Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenzen.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Vivian Jakob, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des VSWG

Telefon: 0351 80701-52 , Mobil: 0151 16737669, E-Mail: jakob@vswg.de

Alma Winkler, DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V., Telefon: 0221 57989-30, E-Mail: alma.winkler@deswos.de